Panthera pardus tulliana - Cicero und "seine" Leoparden PDF Drucken E-Mail
Marcus Tullius Cicero war 51-50 v. Chr. Statthalter in Kilikien (im Süden der heutigen Türkei). Eine günstige Gelegenheit für seinen Freund Caelius Rufus, ihn um einen „Freundschaftsdienst“ zu bitten. Rufus bewarb sich damals um das Amt eines Aedilen und brauchte für die Spiele, die er dann als Aedil veranstalten mußte, noch dringend Attraktionen. So bat er Cicero ihm in der Provinz einige Panther zu besorgen.
Noch bevor Cicero am 31. Juli 51 Kilikien überhaupt erreicht, beginnt Rufus ihn in seinen Briefen zu bedrängen: Sobald Cicero höre, daß er designiert sei, solle er sich um die Panther kümmern (fam. 8,2,2; Juni 51). Er solle an die Panther denken und sie herbeischaffen (fam. 8,4,5; Juli 51). Fast in jedem Brief habe er an die Panther erinnert. Es werde Cicero beschämen zu hören, daß Patiscus dem Curio zehn geschickt habe, und er nicht viel mehr. Diese zehn und zehn weitere afrikanische habe er von Curio bekommen. Er solle es sich zur Pflicht machen, weitere zu besorgen. Er müsse doch nur befehlen und Aufträge erteilen (fam. 8,9,3; September 51). Wenn Curio ihm seine Panther nicht geschenkt hätte, könnte man die ganze Sache vergessen. Jetzt solle Cicero sich doch endlich darum kümmern, daß er einige von den Biestern bekomme (fam. 8,8,10; Oktober 51).
Über Monate bemüht sich Caelius Rufus hartnäckig, sein „Pantherproblem“ zu lösen. Und ebenso hartnäckig bemüht sich Cicero offensichtlich nicht. Vielmehr schreibt er seinem Freund Atticus, er habe Rufus auf sein wiederholtes Bitten um Geld und Panther geantwortet, seine Provinz habe kein Geld und er könne es nicht mit seinem Ruf vereinbaren, wenn die Einheimischen auf seinen Befehl eine Staatsjagd abhielten (Att. 6,1,21; Februar 50). Rufus schreibt noch ein letztes Mal resigniert: Es werde schändlich für Cicero sein, wenn er keine Panther bekomme (fam. 8,6,5; Februar 50). Im April macht Cicero dem Ganzen ein Ende: Professionelle Jäger seien in seinem Auftrag eifrig bei der Sache. Doch gebe es erstaunlich wenige Panther, und die wenigen, die es gäbe, beklagten sich bitter, daß man sie nicht in Ruhe lasse und hätten deshalb beschlossen nach Carien auszuwandern (fam. 2,11,2; April 50).
1856 gab der französische Zoologe M. A. Valenciennes dem Kleinasiatischen (Anatolischen) Leoparden in Anlehnung an den Gentilnamen Ciceros den Namen Panthera pardus tulliana. Damit demonstrierte er seine klassische Bildung und zollte den „Bemühungen“ Ciceros um den Erhalt dieser seltenen Art Tribut.
 
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