Lorem ipsum - Cicero, Shakespeare und ein unbekannter Buchdrucker PDF Drucken E-Mail
Auf der Reise durchs Internet begegnet einem der Satz fast täglich: „Lorem ipsum dolor sit amet, consectetuer adipiscing elit …“ Das sieht aus wie Latein, doch versucht man es zu übersetzen, kommt es einem doch reichlich spanisch vor, oder doch besser griechisch!

 

In William Shakespeares Julius Cæsar Akt I, Szene 2 findet sich folgender Dialog:
Cassius: „Hat Cicero etwas gesagt?“
Casca: „Ja, er sprach griechisch.“
Cassius: „Was wollt er denn?“
Casca: „Ja, wenn ich Euch das sage, so will ich Euch niemals wieder vor die Augen kommen. Aber die ihn verstanden, lächelten einander zu und schüttelten die Köpfe. Doch was mich anlangt, mir war es griechisch“ („for mine own part, it was Greek to me“).

 

Dieses Wortspiel geht auf ein mittelalterliches lateinisches Sprichwort zurück „Graecum est; non potest legi” („Das ist Griechisch, das kann man nicht lesen/verstehen“). Und so ist Engländern griechisch, was Deutschen spanisch vorkommt (Spaniern ist es dagegen wieder griechisch: „hablar en griego“).
Im Desktop-Publishing ist „greeking“ zum Fachbegriff geworden: 1) für das Ersetzen von Buchstaben durch unleserliche Zeichen, um den Bildschirmaufbau und das Scrollen zu beschleunigen und 2) für das Erstellen eines unsinnigen Textes (Blindtext) als Platzhalter für den eigentlichen Text. Der Vorteil des Blindtextes besteht darin, daß der Inhalt nicht vom Layout ablenkt.
Berühmtestes Beispiel für einen solchen unsinnigen Blindtext ist nun „Lorem ipsum …“. Er ist bei den Buchdruckern schon seit dem 16. Jahrhundert im Umlauf, als ein unbekannter Schriftsetzer ein Musterheft für Schriften verfasste.
Lange Zeit dachte man, dieser Text sei zufällig entstanden, doch Richard McClintock, Latein-Professor am Hampden-Sydney College in Virginia, konnte schließlich den Ursprung der Wörter entschlüsseln (Before and After Magazine (1994)4,2): Es handelt sich um eine verstümmelte Version von Cicero, De finibus 1,32,8 „neque porro quisquam est, qui dolorem ipsum, quia dolor sit, amet, consectetur, adipisci velit …“ („und es gibt ferner niemanden, der den Schmerz selbst, weil er Schmerz ist, liebt, verfolgt, erreichen will …“).

 

Also doch: „Hat Cicero etwas gesagt?“ „Doch was mich anlangt, mir war es griechisch!“
 
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