Tiberius Biberius - Von Wein und Meeresfrüchten PDF Drucken E-Mail
Auf der Insel Capri gibt es ein Restaurant mit Namen „Biberius“ (Via Sella Orta 10), das sich seiner exzellent zubereiteten Meeresfrüchte rühmt. Sowohl der Name, als auch die Spezialität des Hauses sind eine Reminiszens an Kaiser Tiberius, den berühmtesten Bewohner dieser Insel. Dieser besaß auf Capri die villa Iovis, um in der Abgeschiedenheit der Felsen, wenn man den Chronisten glauben darf, ungestört und unbeobachtet seinen Lastern nachgeben zu können [Tac. ann. 4,67].
Tiberius Claudius Nero, Stiefsohn und Nachfolger des Augustus, hatte schon zu Beginn seiner militärischen Laufbahn ein größeres Alkoholproblem. Das soll ihm den Spitznamen Biberius Caldius Mero eingebracht haben (aus bibere „trinken“, caldum „Glühwein“ und merum „unverdünnter Wein“) [Suet. VC Tib. 42,1]. Das Vorbild des trinkfesten Kaisers fand offensichtlich auch seine Nachahmer: Der Senator Torquatus Novellius soll versucht haben sich die Gunst des Tiberius mit dem Kunststück zu erwerben, drei congii Wein, also fast zehn Liter, auf einen Zug in sich hineingießen zu können. Das brachte ihm den Beinamen Tricongius ein [Plin. n.h. 14,144].
Jacobus Balde (1604-1668) fand später für die Schwächen des Kaisers folgende Verse [Agathyrsus XXXVI]:
Tiberius Biberius,
Ein guter nasser Bruder/
Ohn underlaß beym Zapffen saß/
Pfuy dich/ all tag im Lueder.
Jetzt zu den Meeresfrüchten: Von den Fremdenführern auf Capri wird gerne die Geschichte von dem armen Fischer erzählt, der über steile Felsen zu Tiberius geeilt war, um ihm einen großen Fisch anzubieten, und ihn so ungebeten in seiner Abgeschiedenheit störte. Dem Eindringling wurde der Fisch ins Gesicht geschlagen, und als er sich selbst dazu beglückwünschte, das sei wenigstens nicht mit dem besonders großen Krebs geschehen, den er auch gefangen hatte, soll Tiberius den Befehl gegeben haben, ihm auch noch mit diesem das Gesicht zu zerfleischen [Suet. VC Tib. 60,1].
Wer also im „Biberius“ bei ein paar Gläsern Wein seinen Krebs verspeist, sollte einen kurzen Gruß an jenen armen Fischer senden. Wer zu Hause bleiben muß, kann ja mal einen Blick auf die Homepage von Peter Trunk werfen:

www.biberius.de.

 
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